Indikatives Angebot: der unverbindliche Preis im M&A-Prozess
IGCP Capital Partners · Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Ein indikatives Angebot ist die erste, unverbindliche Preisindikation eines Kaufinteressenten. Es filtert den Bieterkreis vor der Due Diligence.
Ein indikatives Angebot ist ein unverbindliches Angebot eines Kaufinteressenten. Es steht am Anfang des Verkaufsprozesses, nachdem der Interessent Teaser und Information Memorandum erhalten hat. Im Englischen heißt es Non-binding Offer, kurz NBO.
Das indikative Angebot bindet den Interessenten noch nicht. Er kann später aussteigen oder seine Parameter anpassen. Für den Verkäufer ist es dennoch wertvoll: Es zeigt, wer ernsthaft interessiert ist und in welcher Größenordnung.
Definition und Zeitpunkt
Das indikative Angebot folgt auf die erste Informationsphase. Der Ablauf davor ist üblich: anonymer Teaser, Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA), dann Information Memorandum. Auf dieser Basis gibt der Interessent seine erste Einschätzung ab.
Wichtig ist die Reihenfolge. Das indikative Angebot beruht auf öffentlich zugänglichen und im Memorandum bereitgestellten Informationen. Es ist noch nicht durch eine Due Diligence abgesichert. Deshalb steht es unter Vorbehalt.
Inhalt eines indikativen Angebots
Ein belastbares indikatives Angebot ist mehr als eine Zahl. Es benennt seine Grundlagen. Übliche Bestandteile:
- Preisbandbreite: eine realistische Spanne statt eines Fixbetrags.
- Annahmen: die Grundlagen der Bewertung, etwa unterstellte Ertragskraft oder Nettoverschuldung.
- Vorbehalte: Bedingungen wie eine erfolgreiche Due Diligence oder Gremienzustimmung.
- Finanzierung: wie der Kauf finanziert werden soll, etwa Eigenmittel oder Fremdkapital.
- Struktur und Zeitplan: grobe Vorstellung zu Deal-Struktur und Ablauf.
Die Bandbreite ist bewusst gewählt. Sie gibt dem Interessenten Spielraum, das Angebot nach der Prüfung zu präzisieren. Zugleich zwingt sie ihn, seine Annahmen offenzulegen. Wie eine Bewertung zustande kommt, erläutern wir unter was ist mein Unternehmen wert.
Abgrenzung: indikatives Angebot, LOI, verbindliches Angebot
Die drei Begriffe markieren verschiedene Stufen der Verbindlichkeit.
| Merkmal | Indikatives Angebot (NBO) | Letter of Intent (LOI) | Verbindliches Angebot |
|---|---|---|---|
| Zeitpunkt | vor der Due Diligence | häufig nach erster Prüfung | nach der Due Diligence |
| Verbindlichkeit | unverbindlich | überwiegend unverbindlich, oft mit bindenden Einzelteilen | rechtlich bindend |
| Detailgrad | grob, Bandbreite | detaillierter, Eckpunkte | konkret, fixer Preis |
| Typische bindende Teile | in der Regel keine | oft Exklusivität, Vertraulichkeit | gesamter Kern |
| Funktion | Vorauswahl der Bieter | Rahmen für die Verhandlung | Grundlage des Vertrags |
Ein LOI kann einzelne verbindliche Elemente enthalten, etwa Exklusivität oder Vertraulichkeit, auch wenn der Kern unverbindlich bleibt. Die rechtliche Wirkung im Einzelfall gehört anwaltlich geprüft.
Rolle im Prozess und Timing
Im Bieterverfahren erfüllt das indikative Angebot eine Filterfunktion. Der Verkäufer erhält mehrere Angebote und kann vergleichen. Er entscheidet, welche Interessenten in die nächste Runde gehen und Zugang zur vertieften Prüfung erhalten.
So wird der Bieterkreis geordnet eingeengt, bevor sensible Daten offengelegt werden. Das schützt Diskretion und spart Zeit. Wie sich diese Phase in den Gesamtablauf einfügt, zeigt der Ablauf eines Unternehmensverkaufs.
Häufige Fragen
Ist ein indikatives Angebot bindend?
Nein. Es ist ausdrücklich unverbindlich. Der Interessent kann aus dem Verfahren aussteigen oder seine Parameter nach der Prüfung anpassen. Verbindlich wird der Kauf erst mit einem bindenden Angebot oder dem Kaufvertrag.
Worin unterscheidet sich das indikative Angebot vom LOI?
Das indikative Angebot ist allgemeiner und steht am Anfang. Der Letter of Intent ist meist detaillierter, kommt oft nach einer ersten Prüfung und kann einzelne bindende Elemente enthalten, etwa Exklusivität. Beide sind im Kern unverbindlich.
Warum wird eine Preisbandbreite statt eines festen Preises genannt?
Weil das Angebot vor der Due Diligence abgegeben wird. Der Interessent kennt noch nicht alle Details. Die Bandbreite gibt ihm Spielraum, den Preis nach der Prüfung zu präzisieren, und zwingt ihn zugleich, seine Annahmen zu benennen.
Was passiert nach dem indikativen Angebot?
Der Verkäufer wählt anhand der Angebote aus, welche Interessenten weiterkommen. Diese erhalten Zugang zur Due Diligence. Danach folgt in der Regel ein verbindliches Angebot und die Verhandlung des Kaufvertrags.
Sollte man das höchste indikative Angebot immer bevorzugen?
Nicht zwingend. Ein hoher Preis mit vagen Annahmen oder unsicherer Finanzierung kann später sinken. Struktur, Vorbehalte, Finanzierungssicherheit und Abschlusswahrscheinlichkeit zählen ebenso wie die Zahl.
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Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wurde von IGCP Capital Partners auf Basis eigener Transaktionserfahrung erstellt. Bei Recherche und Ausarbeitung kommen auch KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz; alle Inhalte werden vor Veröffentlichung fachlich geprüft.