EBITDA-Multiple nach Branche: Bandbreiten im Überblick (2026)

Aktuelle EBITDA-Multiple-Bandbreiten im DACH-Raum nach Branche — und warum die Tabelle nur der Startpunkt ist, nicht das Preisschild.
Das EBITDA-Multiple im DACH-Raum liegt je nach Branche grob zwischen dem Vier- und Achtfachen — Software und IT-Services deutlich höher, klassische Fertigung und Handwerk am unteren Ende. Die Branche entscheidet, wo in dieser Spanne Sie landen, und ob Sie sie überhaupt erreichen.
Eine belastbare Bewertung braucht mehr als eine Tabelle. Eine erste Einordnung liefert unser Unternehmenswert-Rechner; die vollständige Analyse ordnet unsere Unternehmensbewertung ein.
Ein Multiple ist schnell genannt: Man nimmt das EBITDA, multipliziert mit einem branchenüblichen Faktor, fertig ist die Hausnummer. So weit die Theorie. In der Praxis ist die Bandbreite je nach Branche, Größe und Qualität so weit, dass die Tabelle nur der Startpunkt ist.
Aktuelle Bandbreiten nach Branche (DACH-Raum)
Im deutschen Markt bewegen sich EBITDA-Multiples laut aktuellen Markterhebungen (Stand Q1 2026) zwischen rund 4,1x und 7,3x, im Durchschnitt etwa 5,7x. Über alle Größen und Profile hinweg reicht die Spanne von ungefähr 3,5x bis 10x. Nach Branche grob geordnet:
| Branche | Typische EBITDA-Bandbreite |
|---|---|
| Software / SaaS | ca. 8x–14x (zuletzt sinkend) |
| IT-Services | ca. 7x–12x |
| Healthcare / Medizintechnik | ca. 6x–14x |
| Industrieservices | ca. 5x–8x |
| Maschinenbau / klassische Fertigung | ca. 3x–7x |
| Handwerk / Bau | ca. 4x–7x |
Diese Werte sind Orientierungen aus aggregierten Transaktionsdaten, keine garantierten Preise. Wer es genauer braucht, findet laufend aktualisierte Multiplikatoren bei den KPMG-Multiplikatoren. Zwei Hinweise zur Einordnung: In der Schweiz liegen die Multiples tendenziell 10 bis 20 Prozent höher, und die Software-Multiples sind 2025/2026 spürbar gesunken — unter anderem wegen der Unsicherheit durch KI.
Warum die Spanne so breit ist
Dass Software das Doppelte einer Baufirma erzielen kann, liegt nicht an der Branche allein, sondern an dem, was die Branche typischerweise mitbringt.
Den größten Unterschied macht die Qualität der Umsätze. Wiederkehrende, vertraglich gebundene Erlöse — wie bei SaaS — sind planbar und werden höher bewertet als projektbasierte Umsätze, die jedes Jahr neu verdient werden müssen.
Der zweite Faktor ist Wachstum. Ein Unternehmen, das zweistellig wächst, rechtfertigt einen höheren Faktor als eines, das stagniert. Der dritte ist Skalierbarkeit: Wer wachsen kann, ohne proportional mehr Anlagen und Personal zu binden, ist mehr wert.
Innerhalb einer Branche entscheidet am Ende die Unternehmensgröße mit: Größere, professioneller geführte Betriebe liegen am oberen Rand der Spanne, kleine inhaberabhängige am unteren.
Wie man die Tabelle richtig liest
Der häufigste Fehler ist, das Multiple für den Preis zu halten. Es ist ein Reality-Check, kein Preisschild.
Zwei Dinge werden dabei oft übersehen. Erstens: Das Multiple wird auf ein normalisiertes EBITDA angewendet — bereinigt um Sondereffekte, ein marktübliches Geschäftsführergehalt und einmalige Posten. Ein zu hohes, geschöntes EBITDA mal einem hohen Faktor ergibt eine Fantasiezahl, die in der Due Diligence zerfällt.
Zweitens: Das Multiple liefert in der Regel den Unternehmenswert (Enterprise Value), nicht den Betrag, der bei Ihnen ankommt. Davon werden Nettofinanzschulden abgezogen (oder Nettoliquidität addiert). Erst danach steht der Wert des Eigenkapitals — das, was Sie als Verkäufer erhalten.
Was Ihr Multiple nach oben oder unten zieht
Die gute Nachricht: Innerhalb Ihrer Branchenspanne ist vieles beeinflussbar. Geringere Abhängigkeit vom Inhaber, eine zweite Führungsebene, dokumentierte Prozesse, ein breiter Kundenstamm statt Klumpenrisiko und ein Anteil wiederkehrender Umsätze verschieben Sie nach oben.
Welche dieser Stellschrauben sich vor einem Verkauf am stärksten auszahlen, haben wir in „Unternehmenswert steigern" zusammengefasst. Und warum am Ende ohnehin die Methode allein nicht entscheidet, lesen Sie in „Was ist mein Unternehmen wert?".
Vom Multiple zum echten Preis
Ein Branchen-Multiple sagt Ihnen, ob die Vorstellung eines Käufers im realistischen Rahmen liegt. Es sagt Ihnen nicht, was am Ende auf dem Vertrag steht.
Den Unterschied macht ein konkreter Käufer mit einem konkreten Grund, mehr zu zahlen als der Durchschnitt — und ein strukturierter Prozess, in dem mehrere Interessenten um Ihr Unternehmen konkurrieren. Die Tabelle ist der Startpunkt. Der Preis entsteht in der Verhandlung.
Der echte Wert entsteht in der Verhandlung, nicht in der Formel. Für eine realistische, unabhängige Einordnung: IGCP Capital Partners. → igcp.at
Häufige Fragen
Welches EBITDA-Multiple ist für mein Unternehmen realistisch?
Das hängt von Branche, Größe, Wachstum, Umsatzqualität und Inhaberabhängigkeit ab. Die Branchenspanne gibt den Rahmen vor; wo genau Sie liegen, entscheiden die Werttreiber Ihres Unternehmens. Eine seriöse Einordnung kombiniert das Multiple mit anderen Methoden und prüft die Plausibilität.
Warum sind die Software-Multiples zuletzt gesunken?
Nach Jahren sehr hoher Bewertungen haben Zinsumfeld und die Unsicherheit rund um KI die Multiples für Software und SaaS 2025/2026 gedrückt. Das zeigt, dass Branchen-Multiples Momentaufnahmen sind — sie schwanken mit Konjunktur, Zinsen und Markttrends und sollten immer mit aktueller Quelle verwendet werden.
Gilt das Multiple auf den Umsatz oder auf den Gewinn?
Die hier genannten Faktoren beziehen sich auf das EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es gibt auch Umsatz-Multiples, vor allem bei stark wachsenden, noch wenig profitablen Unternehmen — diese liegen in einer ganz anderen Größenordnung und sind nicht mit EBITDA-Multiples vergleichbar.
Bekomme ich den errechneten Betrag ausgezahlt?
Nicht unbedingt. Das Multiple liefert meist den Unternehmenswert (Enterprise Value). Davon werden Nettofinanzschulden abgezogen, bevor der Wert des Eigenkapitals feststeht. Auch die Kaufpreisstruktur — etwa ein Earn-out — beeinflusst, wie viel wann tatsächlich fließt.